{"id":391,"date":"2020-05-20T18:06:00","date_gmt":"2020-05-20T16:06:00","guid":{"rendered":"http:\/\/religionen.biebertaler-bilderbogen.de\/?p=391"},"modified":"2022-04-14T17:14:22","modified_gmt":"2022-04-14T15:14:22","slug":"karfreitagmeditation-10-april-2020","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/frankenbach.bibibo.info\/?p=391","title":{"rendered":"Karfreitagmeditation 10. April 2020"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Das Kreuz mit dem Kreuz &#8211; und warum es nicht ohne es geht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Prediger der N\u00e4chstenliebe fasziniert bis heute. Er weckt unsere Sympathien, wenn er Kinder auf den Arm nimmt, wenn er Frauen auf Augenh\u00f6he behandelt, wenn er Partei ergreift f\u00fcr die Armen. Sein weiser Umgang mit Sorge und Angst findet Nachahmer, seine Kritik an religi\u00f6ser und politscher G\u00e4ngelung von Menschen Zustimmung. Mit <em>diesem<\/em> Jesus haben wenige Probleme.<br>Ja, einige w\u00e4ren durchaus bereit, Jesus in Verbindung zu bringen mit dem barmherzigen Gott, den er verk\u00fcndigt. Wenn Jesus im Namen Gottes Kranke heilt und Menschen aus ihren Zw\u00e4ngen befreit, liegt das ganz auf der Linie seiner erl\u00f6senden Botschaft. Wenn er Menschen die Vergebung der S\u00fcnden zuspricht, passt das in das Bild eines gn\u00e4digen Gottes. Er gibt nicht nur ein stimmiges Bild ab. Er passt in unser Bild. W\u00e4re da nicht das Ende seiner Geschichte. W\u00e4re da nicht das Kreuz. W\u00e4re da nicht diese uns\u00e4gliche Botschaft, dass er da f\u00fcr uns sterben musste. Das will nicht in den Kopf. Und noch weniger ins Herz.<br>Ausgerechnet auf dieses Teilst\u00fcck des Lebens Jesu aber, sein grausames Ende am Kreuz, legen die Glaubensbekenntnisse ihr ganzes Gewicht. Ausgerechnet von diesem Tod sprechen Christen in einem Atemzug mit der Liebe Gottes. Ausgerechnet dieses Lebensende &#8222;musste&#8220; sein, sagt man ihnen. Sie dagegen verstehen \u00fcberhaupt nicht, warum pl\u00f6tzlich Blut flie\u00dfen muss, um zu vergeben, wo es vorher bei Jesus auch anders ging. Hat das etwas mit Liebe zu tun, seinen Sohn opfern zu m\u00fcssen, um gn\u00e4dig zu sein? Warum um alles in der Welt soll das Jesus f\u00fcr mich gemusst haben? Beim Kreuz steigen viele aus. Weil es ihr Bild von Jesus und seiner rettenden Liebe durchkreuzt. So k\u00f6nnen und wollen sie nicht an ihn glauben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Standpunkt ist konsequent. Wo dagegen Christen meinen, sie m\u00fcssten sich davon verabschieden zu glauben, dass Jesu Blutvergie\u00dfen am Kreuz ein Opfer zur Vergebung der S\u00fcnden war, um an ihm festzuhalten, machen sie sich etwas vor. Denn Jesus gibt es nur ganz, ganz oder gar nicht. Und Christen bekennen nun mal: In Jesus offenbart sich die Rettung Gottes f\u00fcr die Welt, nicht nur in Teilen. Warum? Jesus selbst lie\u00df in seiner Verk\u00fcndigung und seinem Handeln keinen Zweifel daran, dass wer es mit ihm zu tun bekommt, es mit Gott zu tun bekommt. Nichts weniger best\u00e4tigte dann das Osterereignis: Gott weckte Jesus von den Toten auf und bekannte sich zum seinem Weg vom Anfang bis zum Ende.<br>Durch Ostern wurde es m\u00f6glich, diesen grausamen Tod anders zu verstehen. Musste man ihn vorher als Scheitern eines Heilsbringers begreifen, war es nun nicht nur m\u00f6glich sondern geradezu n\u00f6tig auch seinen Tod als Heil zu deuten. Wer an die Auferweckung und Erh\u00f6hung Jesu durch Gott glaubte, kam gar nicht herum. Das Fazit war klar: Sein Leiden und Sterben spricht keine andere Sprache als sein Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Menschen fragen heute: &#8222;Warum musste Jesus am Kreuz sterben, um Menschen von ihrer S\u00fcnde zu erl\u00f6sen?&#8220; Das war nicht die Frage der ersten Anh\u00e4nger Jesu. Sie fragten nach Ostern: &#8222;Wie zeigt sich auch im Tod Jesu Gottes Erl\u00f6sung f\u00fcr die Menschen?&#8220; Der Tod Jesu hatte Gottes Erl\u00f6sung der Menschen durch Jesus f\u00fcr sie in Frage gestellt (Lk 24,19-21). Durch die Auferstehung musste sein Tod nun aber als Erl\u00f6sung verstanden werden (Lk 24,26).&nbsp;&nbsp;<br>Die Frage &#8222;Steht Gott auf Blut?&#8220; mag provokant sein, aber sie ist berechtigt. Wenn Menschen heute darauf verweisen, dass Vergebung auch ohne Opfer und Blutvergie\u00dfen m\u00f6glich ist, ist das richtig. Ja, nicht nur das, es geschieht Tag f\u00fcr Tag so unter Menschen. Wenn Jesus in schockierender Vollmacht vor seinem Kreuzestod (!) Menschen vergibt (Lukas 5,20) oder mit S\u00fcndern Gemeinschaft hat (Lukas 15,2), passiert nichts anderes auch zwischen Gott und Menschen. Kreuz, Opfer und Blut sind nicht <em>denknotwendig<\/em> f\u00fcr die Erl\u00f6sung von Menschen. Das Gott mehr Optionen als den Kreuzesweg hatte, nicht im Dilemma steckte, zeigt nicht zuletzt der betende Jesus in Gethsemane (Markus 14,36). Das, was am Kreuz passierte, war eben noch nie &#8222;selbst-verst\u00e4ndlich&#8220;, sondern &#8222;unerh\u00f6rt&#8220; (1 Kor 2,9). Der Weg Jesu ist nicht einfach ein logisches Produkt menschlichen Schlussfolgerns, kann daher gar als Torheit begriffen werden (1 Kor 1,18ff). Es gilt von Ostern her das Kreuz als <em>heilsnotwendig<\/em> zu begreifen, <em>nicht<\/em> aber als <em>denknotwendig<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie aber kann man das Kreuz als notwendig f\u00fcr unsere Rettung, unser Heil, begreifen? Jesus selbst hat es ja seinen J\u00fcngern plausibel gemacht auf dem Weg nach Emmaus. Wie hat er sein Leben und seinen Tod verstanden?&nbsp;<br>Jesus hat sein Selbstverst\u00e4ndnis einmal mit den Worten ausgedr\u00fcckt: &#8222;Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als L\u00f6segeld f\u00fcr viele&#8220; (Mk 10,45).Er verstand sein Leben als Hingabe f\u00fcr die Menschen. Dieses &#8222;f\u00fcr&#8220; begriff er dabei offensichtlich nicht nur im Sinne von &#8222;zugunsten&#8220; sondern auch im Sinne von &#8222;an Stelle von&#8220; (siehe L\u00f6segeld). Der Profit, den er den Menschen brachte, hatte auch einen pers\u00f6nlichen Preis. In den Abendmahlsworten wird dann definitiv deutlich, dass diese Hingabe bis zum Tod geht, er daf\u00fcr bereit ist Blut zu vergie\u00dfen (Mk 14,24). Dieses Blut ist nicht irgendein Blut sondern das &#8222;Blut des Bundes&#8220;. Das Ziel Jesus ist den Bund, die Verbindung Gottes mit den Menschen, zu halten. Daf\u00fcr geht er bis zum Letzten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wichtig zu sehen ist, diese Hingabe Jesu f\u00fcr die Menschen startet nicht am Kreuz sondern bereits bei der Krippe. Diese Hingabe musste nun nicht am Kreuz enden, weil Gott Blut sehen muss, aber sie ist bereit Blut und Leben zu geben, damit die Verbindung Gottes zu uns nicht endet. Die Bibel beschreibt das Kreuz jedenfalls als Liebe mit letzter Konsequenz. Das wird deutlich, wenn Paulus die Liebe Jesu in einem urchristlichen Lied als Hingabe &#8222;bis zum Tod, ja zum Tode am Kreuz&#8220; (Philipper 2,8) r\u00fchmt. Diese Hingabe ist daher nicht treffender zu bezeichnen als im Johannesevangelium als &#8222;Liebe bis zur Vollendung&#8220; (Johannes 13,1).<br>Die Bibel versteht das ganze Leben Jesu unter dem Vorzeichen der Liebe (Johannes 3,16) und damit auch der Rettung aus S\u00fcnden durch ihre Vergebung von Anfang an. Das Kreuz zeichnet dabei diese Liebe als grenzenlos, als Feindesliebe, als Liebe, die nicht aufh\u00f6rt, die Arme offen zu halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kreuzesliebe Jesu offenbart mindestens Zweierleih:<br>Zum Einen zeigt sie ihre Bedingungslosigkeit. Diese Liebe &#8222;h\u00e4lt allem Stand&#8220; (1 Kor 13,7). Sie ertr\u00e4gt jedes Verlassenwerden und jeden Verrat. Sie erleidet Spott und Hohn. Sie nimmt alle Feindseligkeiten auf sich. So ist Gott. Er reagiert weder mit Liebesentzug noch mit Feuer vom Himmel. Er ertr\u00e4gt tagt\u00e4glich die S\u00fcnden der Menschen an ihm und seiner Welt bis zur letzten Konsequenz, bis hin zu ihren uns\u00e4glichen Grausamkeiten. Das wird in Jesus am Kreuz sichtbar. Es erm\u00f6glicht, jedem zu glauben: Diese Liebe gilt auch mir. Ungeheuer tr\u00f6stlich.<br>Zum Anderen zeigt das Kreuz, dass Gottes Liebe einen hohen Preis hat. Die Gemeinschaft mit den Menschen kostet ihn etwas. Seine Gnade angesichts ihrer S\u00fcnde kommt ihm teuer zu stehen. Im Kleinen kennen wir Menschen das alle aus unseren Beziehungen, sei es Ehe, sei es Familie, sei es Freundschaft. Wir tragen die Schw\u00e4chen der anderen mit. Wir ertragen es, wo sie an uns schuldig werden. Das f\u00e4ngt schon damit an, dass wir unsere quengelnde Kinder nicht auf die Stra\u00dfe setzen. Aber bei uns Menschen hat der Preis der Liebe Grenzen. Gemeinschaft ja, aber nicht um jeden Preis. Bei Gott ist das anders. Seine Liebe k\u00fcndigt die Gemeinschaft nicht auf. Auch wenn sie ihn das Leben kostet. Seine Gnade ist deshalb ungeheuer teuer.<br>Das Kreuz ist ein unglaublicher Schauplatz f\u00fcr die Liebe Gottes. H\u00e4tte es Ostern nicht gegeben, w\u00e4re Jesus mit seinem Anspruch, Gottes Liebe in die Welt zu bringen, nicht durchgekommen, das Kreuz ein Ort des Scheiterns. Und umgekehrt gilt, h\u00e4tte Jesus nicht diesen Anspruch schon in seinem Leben gehabt, Gottes Sohn zu sein, w\u00e4re Ostern nur die wunderbare Himmelfahrt eines gro\u00dfen Mannes. Es kommt alles darauf an, in Jesus den &#8222;Herrn der Herrlichkeit&#8220; (1 Kor 2,8) zu sehen, Gott selbst. Sein Leben und seine Auferstehung zeugen davon. Beide Ereignisse werfen wie gro\u00dfe Scheinwerfer Licht auf das Kreuz.<br>Das Kreuz spricht keine andere Sprache als das sonstige Leben Jesu. <br>Auch es zeugt von der Liebe Gottes zu der Welt. Ja, noch mehr, sogar in letzter Konsequenz. Nur hier kann alles Misstrauen an der Liebe Gottes heilen, denn es fragt mich: &#8222;Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn f\u00fcr uns dahingegeben &#8211; wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?&#8220;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pastor Raphael Vach<\/strong><\/p>\n<div class=\"gsp_post_data\" \r\n\t            data-post_type=\"post\" \r\n\t            data-cat=\"ohne-kategorie,feg\" \r\n\t            data-modified=\"120\"\r\n\t            data-created=\"1589997960\"\r\n\t            data-title=\"Karfreitagmeditation 10. 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