{"id":692,"date":"2020-07-19T05:00:00","date_gmt":"2020-07-19T03:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/religionen.biebertaler-bilderbogen.de\/?p=692"},"modified":"2022-04-14T17:11:26","modified_gmt":"2022-04-14T15:11:26","slug":"vergeben-alternativlos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frankenbach.bibibo.info\/?p=692","title":{"rendered":"Vergeben &#8211; alternativlos!?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Kann man vergeben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jesus hat dazu eingeladen und aufgefordert, anderen zu vergeben. Siebzig mal sieben mal, hat er einmal geantwortet auf die Frage &#8222;Wie oft?&#8220; (Matth\u00e4us 18,22). Da vergisst man irgendwann zu z\u00e4hlen. Und genau so soll es sein: Schuld wird dann nicht mehr aufgerechnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch noch einmal: Kann man vergeben?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Vergeben<\/em> kann jedenfalls nicht hei\u00dfen, Gerechtigkeit <em>aufzugeben<\/em>, Ungerechtigkeit zu tolerieren, Schuld nicht beim Namen zu nennen. Das hat auch Jesus nicht getan. Da ist die Botschaft der Bibel eine andere: Vergeben hei\u00dft erst einmal das Richten einem anderen zu \u00fcberlassen, einem der unbefangen den Blick von au\u00dfen auf das Geschehen hat. Paulus kann mit der Torah Gott zitieren: &#8222;Die Rache ist mein&#8220; (5. Mose 32,35). Der Gott der Bibel ist parteiisch in dem Sinne, dass er nicht \u00fcber die Schreie der Opfer hinweggeht, dass er denen, die man mundtot gemacht hat, wieder eine Stimme gibt. Gott wird heute oder eines Tages alles zu Recht bringen. Vergeben hei\u00dft nicht, Gerechtigkeit aufzugeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so muss der Platz von Christen auch immer an der Seite derer sein, die f\u00fcr Gerechtigkeit in der Arbeitswelt und anderorts k\u00e4mpfen. Menschenrechte, Armutsbek\u00e4mpfung, Bewahrung der Sch\u00f6pfung bleiben Themen f\u00fcr Christen so lange sie Christen sind. Vergeben hei\u00dft nicht &#8222;Schwamm dr\u00fcber&#8220; \u00fcber die Ungerechtigkeiten dieser Erde. Vergeben kann jeder, der wei\u00df, dass Gott Gerechtigkeit bringen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Und doch gehen wir h\u00e4ufig in Beziehungen anders mit Schuld um. Vergeben ist so schwer&#8230; Ich will zeigen, dass die Alternativen noch schwerer sind, jedenfalls keine L\u00f6sung. Was h\u00e4tte man da f\u00fcr M\u00f6glichkeiten?<\/p>\n\n\n\n<p>Man k\u00f6nnte die Schuld, die einem widerfahren ist, einfach ignorieren. Man k\u00f6nnte so tun, als w\u00e4re gar nichts gewesen. Die Verlockung ist da, so vielleicht um eine Auseinandersetzung herum zu kommen. <strong>Ignorieren.<\/strong> M\u00f6glichkeit 1. Doch so nimmt man nat\u00fcrlich Schuld nicht ernst. Du nimmst dich und deine Verletzung selbst nicht ernst. Du nimmst letztlich nicht einmal die Beziehung ernst. Sie ist gest\u00f6rt. Du wei\u00dft es. Sie bleibt gest\u00f6rt. Keine gute L\u00f6sung.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine andere M\u00f6glichkeit. M\u00f6glichkeit 2: <strong>Vergelten<\/strong>. Wie sagen wir: Ich zahle es dir heim. Der andere soll das schmerzhaft erfahren, was ich durch ihn erfahren habe. Im Vergleich zum Ignorieren nimmt man sich selbst und die Schuld des anderen wirklich wahr. Man macht sich nichts vor. Man unterdr\u00fcckt nichts. Man nimmt die Situation wirklich ernst. Auch wird man aktiv, bleibt nicht passiv, bleibt nicht nur Opfer. Man frisst nichts in sich hinein. Und wer immer sich schon einmal auf dem Pausenhof gewehrt hat, wei\u00df: Es f\u00fchrt erst einmal zur emotionalen Entlastung. Aber&#8230; Die Beziehung ist danach nat\u00fcrlich erst Recht kaputt. Der Krieg ist ausgebrochen. Es sind weitere Wunden geschlagen worden. Man hat zwar die Schuld sehr ernst genommen, die Beziehung leider letztlich so gar nicht. Wer immer Frieden will, f\u00fcr den ist Vergeltung keine L\u00f6sung.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine verbreitete M\u00f6glichkeit ist auch die Dritte: das <strong>Nachtragen<\/strong>. Wer sie w\u00e4hlt, nimmt die Verfehlung gegen die Beziehung sehr ernst und erinnert daran pausenlos. Der andere bekommt st\u00e4ndig signalisiert, dass die Beziehung dauerhaft gest\u00f6rt ist und er tun und lassen kann, was er will, sie bleibt es auch. Hier wird die Beziehungsst\u00f6rung eingefroren, konserviert, zugleich als st\u00e4ndige Anklage pr\u00e4sentiert. Zum Einen ist das sehr anstrengend f\u00fcr den der nachtr\u00e4gt, zum Anderen kann keine Beziehung dadurch gedeihen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vergebung <\/strong>ist die einzig konstruktive M\u00f6glichkeit. Sie ist von der Liebe bestimmt. Liebe nimmt das Vergehen, die Schuld, die Beziehungsst\u00f6rung durchaus ernst, aber sie sieht auch den Mensch, der nicht 1:1 mit seiner Tat gleichzusetzen ist. Sie kann unterscheiden. Die Liebe entscheidet sich vor allem daf\u00fcr, die Beziehung zu dem Menschen wichtiger zu nehmen als seine Schuld in der Beziehung. Liebe \u00fcberwindet quasi die Schuld, indem sie sie zuerst aufdeckt und dann &#8222;zudeckt&#8220; (1 Petrus 4,8), nicht anrechnet und vergibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit ist ein Vergehen nicht ungeschehen gemacht, auch nicht vergessen, auch wenn sich letztes einstellen kann. Vergebung ist erst einmal vern\u00fcnftiger Entschluss, der destruktives Verhalten vermeidet und Vers\u00f6hnung und Beziehung eine Zukunft gibt. Die Gef\u00fchle sind h\u00e4ufig dann die letzten Wagen am Zug. Sie ver\u00e4ndern sich als letztes ins Positive. Vergeben hei\u00dft eben noch nicht dem anderen zu vertrauen. Aber es er\u00f6ffnet einen Raum, in dem neue Erfahrungen gemacht werden k\u00f6nnen, in dem Vertrauen neu wachsen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Vergebung lebe ich genauso wie meine Beziehung und die Welt. Wenn ich Opfer eines Vergehens geworden bin, holt sie mich aus der Passivrolle raus. Ich werde T\u00e4ter der Liebe, benenne das Vergehen und gebe der Beziehung zugleich h\u00f6heren Wert und Zukunft. Davon lebt jede Freund- oder Partnerschaft. Davon leben die Beziehungen von V\u00f6lkern. Davon lebt letztlich auch unsere Beziehung zu Gott.<\/p>\n\n\n\n<p>Gott vergibt uns. Er rechnet uns unsere Schuld nicht an. Wie weit diese Vergebung reicht, zeigt sein Tod in Jesus am Kreuz. Er l\u00e4sst sich lieber kreuzigen, ertr\u00e4gt unsere Schuld, als dass er uns die Beziehung k\u00fcndigt. Er ignoriert unsere Schuld nicht. Er nimmt uns ernst. Er vergilt nicht und er tr\u00e4gt nicht nach. Er tr\u00e4gt unsere Schuld und vergibt sie am Kreuz in Wort und Tat: &#8222;Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!&#8220;, sagt er. Gott zahlt am Kreuz den Preis daf\u00fcr, dass unsere Beziehung mit ihm in Ordnung kommen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Kreuz k\u00f6nnen wir sehen, dass seine Liebe bedingungslos ist, da sie alles vergibt. Sie er\u00f6ffnet uns damit eine T\u00fcr, uns ohne Z\u00f6gern auf ihn einzulassen. Sie er\u00f6ffnet uns einen Raum, in dem wir Erfahrungen mit ihm machen k\u00f6nnen, Vertrauen, also Glauben, wachsen kann, wir pl\u00f6tzlich befreit von Angst und Schuld vor uns eine wunderbare Zukunft haben, die er schenkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit seiner Vergebung \u00f6ffnet Gott uns allen die T\u00fcr. Mit Vergebung sollen wir auch untereinander uns die T\u00fcr f\u00fcr eine gemeinsame Zukunft weiter \u00f6ffnen. Nur Vergebung schenkt Zukunft. Sie ist alternativlos.&nbsp; Jesus l\u00e4dt uns dazu ein.<\/p>\n\n\n\n<p>(c) Pastor Raphael Vach<\/p>\n<div class=\"gsp_post_data\" \r\n\t            data-post_type=\"post\" \r\n\t            data-cat=\"ohne-kategorie,feg\" \r\n\t            data-modified=\"120\"\r\n\t            data-created=\"1595134800\"\r\n\t            data-title=\"Vergeben &#8211; alternativlos!?\" \r\n\t            data-home=\"https:\/\/frankenbach.bibibo.info\"><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kann man vergeben? Jesus hat dazu eingeladen und aufgefordert, anderen zu vergeben. Siebzig mal sieben mal, hat er einmal geantwortet auf die Frage &#8222;Wie oft?&#8220; (Matth\u00e4us 18,22). Da vergisst man irgendwann zu z\u00e4hlen. Und genau so soll es sein: Schuld wird dann nicht mehr aufgerechnet. Doch noch einmal: Kann man vergeben? 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